Literatur und Quellen zu Statistik und Empirischer Sozialforschung
Hier finden sich Quellen und Literatur zu Statistik und Empirischer Forschung in einer alles andere als repräsentativen Zusammenstellung. Auch die Kommentare dazu sind rein subjektiv, aber, wie ich hoffe, hilfreich.

Empirische Sozialforschung
Bücher zu Untersuchungsplanung und -durchführung, Forschungsprozeß und Datenauswertung.
- Bessler, Hansjörg: Aussagenanalyse. 1972
Behandelt die Messung von Einstellungen in Aussagen, die medial vermittelt werden. - Bogner, Alexander / Littig, Beate / Menz, Wolfgang (Hrsg.): Das Experteninterview. Theorie, Methode, Anwendung. 2005
Kompakte Aufsatzsammlung, die verschiedene Aspekte von Experteninterviews beleuchtet. - Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. 2007
Basiswissen, aber sehr allgemein. Liefert einen Überblick, aber für spezielle Forschungsvorhaben benötigt man auf jeden Fall noch speziellere Literatur. Tendenziell eher zu empfehlen für quantitative Analysen, Informationen über qualitative Methoden holt man sich besser aus realen Studien, einige Beispiel sind in dieser Liste unter der Überschrift "Methodisch aufschlussreiche Studien" zu finden. - Flick, Uwe: Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. 2007
Besonders knapper und stichpunktartiger Überblick. Für den "Erstkontakt" auf jeden Fall zu empfehlen, u.a. da relativ günstig und regelmäßig aktualisiert. - Flick, Uwe et.al. (Hrsg.): Handbuch qualitative Sozialforschung. 1995
Breiter Überblick über die gängigen Methoden. Die Aufsätze nähern sich der Thematik aus verschiedensten Perspektiven. - Foucault, Michel: Archäologie des Wissens. 1973
Die unterschiedlichsten (bzw. alle?) Strömungen der Diskursanalyse (und manchmal habe ich den Eindruck: auch die meisten anderen Bereiche der aktuellen Sozial- und Kulturwissenschaften) berufen sich auf Foucault, setzen sich mit seinen Ideen, Begriffen und Methoden auseinander und passen sie mehr oder weniger in ihre Konzepte ein. Wie weit das im Einzelnen tatsächlich in seinem Sinne geschieht, können wir Foucault leider nicht mehr fragen. In diesem Buch stellt er selber seine Werkzeuge wohl am explizitesten dar. Wer sich mit Diskursanalyse beschäftigt, kann nicht darauf verzichten, sich direkt mit dem Giganten auseinanderzusetzen, dessen Schultern so dicht bevölkert sind. - Gläser, Jochen / Laudel, Grit: Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse. 2009
Inwieweit die Auswertungsmethode (eine spezielle Form qualitativer Inhaltsanalyse), die im hinteren Teil des Buches dargestellt wird, sich von anderen unterscheidet, kann ich nicht beurteilen, großartig sind auf jeden Fall die ersten 200 Seiten, die die Planung, Vorbereitung und Durchführung von (Experten-)Interviews behandeln und dabei vor allem auch die Entwicklung der Forschungsfrage und deren Umsetzung in einen Leitfaden beleuchten. Beispiele aus zwei realen Untersuchungen sorgen dabei in allen Kapiteln für Anschaulichkeit. - Gobo, Giampetro: Doing Ethnography. 2008
Erstklassiger Einstieg (und mehr) in die Soziologische Ethnografie. Da in der Ethnografie neben der Reflexion der Beobachtung selbst z.B. auch die Dokumentation und das Transparentmachen des Forschungsprozesses eine gewichtige Rolle einnehmen, ist dieses Buch im Prinzip für alle qualitativ Forschenden zu empfehlen. - Heinzel, Friederike / Thole, Werner / Cloos, Peter / Köngeter, Stefan (Hrsg.): „Auf unsicherem Terrain“. Ethnographische Forschung im Kontext des Bildungs- und Sozialwesens. 2010
Sehr praxisbezogene Aufsätze, unter anderem auch mehrere zum bei der Ethnografie besonders zentralen Thema des Feldzugangs. - Keller, Reiner: Diskursforschung. 2007
Kompakt das wichtigste Wissen über die Diskursforschung, für tieferen Einblick und Beispiele besser das zweibändige Werk von Keller heranziehen (s.u.) - Keller, Rainer / Hirseland, Andreas / Schneider, Werner / Viehöver, Willy: Die diskursive Konstruktion von Wirklichkeit. Zum Verhältnis von Wissenssoziologie und Diskursforschung. 2005
Aufsätze zur Wissenssoziologischen Diskursanalyse. - Keller, Reiner: Handbuch sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, zwei Bände. 2001/2003
Theorie und Methode der Diskursanalyse, im zweiten Band viele Beispiele für Studien unterschiedlichster Forschungsinteressen und methodischer Ansätze. - Kromrey, Helmut: Empirische Sozialforschung. 2006
Hier gilt das selbe wie für Diekmann (s.o.), vor allem als Überblick geeignet. - Kuckartz, Udo: Einführung in die computergestützte Analyse qualitativer Daten. 2007
Dieses Buch ist zwar für Forschung mit Hilfe von Qualitativer Datenanalysesoftware geschrieben, aber auch allgemein sehr informativ. Ein Blick lohnt sich durchaus auch, wenn man seine Analyse per Hand durchführen will, da man in dem Buch vor allem viel über Kategorienbildung und die Erstellung von Codierregeln erfährt, die ja bei softwaregestützter qualitativer Datenanalyse (Computer-Assisted Qualitative Data Analysis Software = CAQDAS) so wichtig sind. - Kühl, Stefan / Strodtholz, Petra / Taffertshofer, Andreas (Hrsg.): Handbuch Methoden der Organisationsforschung: Quantitative und Qualitative Methoden. 2009
Eine umfangreiche Sammlung von Aufsätzen zu Methoden der Organisationsforschung. Sehr guter Überblick. - Mayring, Philipp: Qualitative Inhaltsanalyse - Grundlagen und Techniken. 2007
Methodische Grundlagen der qualitativen Inhaltsanalyse. Mayring steht für ein sehr systematisches, planvolles Vorgehen. Von qualitativen Forschern wird allerdings nicht selten angemerkt, dass Mayring sehr stark dem quantitativem Paradigma verhaftet bleibt. - Mayring, Philipp: Die Praxis der qualitativen Inhaltsanalyse. 2005
Beispiele aus der Forschungspraxis. - Mayring, Philipp: Einführung in die qualitative Sozialforschung. 2002
Gute Einführung, aber für einen detaillierten Einblick in die Thematik besser die beiden darüberstehenden Bände von Mayring beachten. - Mey, Günter / Mruck, Katja (Hrsg.): Grounded Theory Reader
Umfangreicher und abwechslungsreicher Überblick zur Grounded Theory und darauf aufbauenden Ansätzen. - Reinders, Heinz: Qualitative Interviews mit Jugendlichen führen. 2005
Schritt für Schritt durch Planung und Durchführung von Interviews unter besonderer Berücksichtigung der Befragung Jugendlicher. - Schreiber, Norbert: Wie mache ich Inhaltsanalysen?. 1999
Gute und kompakte Einführung, was man bei der Inhaltsanalyse beachten muss.
Methodisch aufschlussreiche Studien
Hier finden sich Untersuchungen, denen man methodische Anregungen entnehmen kann und die gleichzeitig interessante Studienergebnisse liefern. Zunächst hatte ich hier vor allem (eher quantitative) Inhaltsanalysen älteren Datums aufgelistet, inzwischen habe ich die Liste mit zeitgemäßen qualitativen Studien erweitert, die mit verschiedenen Beobachtungs-/Befragungs- und Auswertungsmethoden arbeiten.
- Albrecht, Peter-Alexis / Lamnek, Siegfried: Jugendkriminalität im Zerrbild der Statistik. 1979
Kritische Interpretation und Auseinandersetzung mit der Kriminalstatistik - Bitzan, Maria / Bolay, Eberhard / Thiersch, Hans (Hrsg.): Die Stimme der Adressaten. Empirische Forschung über Erfahrungen von Mädchen und Jungen mit der Jugendhilfe. 2006
Die Aufsätze decken thematisch und methodisch verschiedenste Bereiche der Adressaten-/Nutzerforschung ab. Sehr spannend in beiderlei Hinsicht. - van Buiren, Shirley: Die Kernenergie-Kontroverse im Spiegel der Tageszeitungen. 1980
Egal ob man dieses Thema als überholt oder als Dauerbrenner ansieht, die Durchführung der Studie ist erstklassig und vorbildhaft transparent. Quantifizierende, aber dem Wesen nach sehr stark qualitative Untersuchung, die sich sowohl mit der Darstellung der Kontroverse und den Standpunkten beider Seiten beschäftigt als auch mit der Beurteilung der Akteure durch die Zeitungen bzw. den Gegner. Gute Anregungen, falls man die Berichterstattung über ähnlich stark polarisierte Standpunkte untersuchen will. - Cleyde, Nadja / Souza, Barreto: Zwischen den Zeilen lesen. 1987
Thema ist die entwicklungspolitische Berichterstattung mehrerer Zeitungen. Es wird vor allem die Hypothese geprüft, in welchem Zusammenhang entsprechende Artikel auftauchen, also wie etwas thematisiert wird, das keine eigene Rubrik in Zeitungen hat, sondern oft indirekt auftaucht und in den verschiedensten Zusammenhängen gesucht werden muss. - Galanis, Georgios N.: Migrantenkriminalität in der Presse. 1987
Wie wird mit einem heiklen Thema umgegangen, werden Vorurteile und Ängste geschürt? Die Texte werden computergestützt inhaltsanalysiert, 1987 schon noch ein kleines Abenteuer. Es ist jedem selbst überlassen, zu beurteilen, wie praxistauglich automatische Codierung (natürlich nach klaren Vorgaben) durch Software ist, neue Programme zur Inhaltsanalyse sind sicherlich benutzerfreundlicher, aber diese Studie zeigt sehr schön, wie klar und eindeutig man Kodier-Kriterien gestalten muss, wenn man maximale Coder-Reliabiliät (im Fall der Benutzung des Computers sogar 100%ige) haben will. - Goffman, Erving: Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen. 1973
Nicht nur bezüglich des Themas bahnbrechend, sondern auch bezüglich der Forschungsperspektive: Ein Meilenstein teilnehmender Beobachtung. - Hospelt, Charlotte: Jugendprotest im Spiegel der Presse. Eine Inhaltsanalyse von Zeitungsartikeln über Jugendprotest in der Bundesrepublik Deutschland. 1997
Untersucht die Art der Berichterstattung über das Thema mittels Betrachtung Vergleich der verwendeten Labels, der beteiligten Akteure, der vorgenommenen Bewertungen und Begründungen und vieler anderer inhaltlicher Merkmale - Glogauer, Werner: Kriminalisierung von Kindern und Jugendlichen durch Medien. 1993
Studie, die mit Fallanalysen arbeitet. Bei der Übertragung der interpretierten Einzelfälle auf eine dahinterliegende Ursache in den Medien ist allerdings Vorsicht angebracht, die der Autor meist, aber nicht immer, beherzigt. - Kärtner, Georg: Wissenschaft und Öffentlichkeit. 1972
Behandelt das Thema der gesellschaftlichen Kontrolle der Wissenschaft als Kommunikationsproblem, größtenteils quantitativ arbeitende Inhaltsanalyse von Massenmedien mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" als Hauptquelle. Diese Studie bietet Anregungen für Arbeiten zur Vermittlung von Expertenwissen und zum Teil auch zur Thematisierungsfunktion (agenda setting) der Medien. - Klamant, Gerd / Langeheine, Rolf / Schenkel, Helmut: Eine quantitative Inhaltsanalyse der politischen Berichterstattung ausgewählter Tageszeitungen in Schleswig-Holstein. 1980
Rein quantitativer Vergleich von Tageszeitungen, darüber, ob die Zeitung unterschiedliche Themen selektieren und ob sich die Aufmacher unterscheiden, die für Artikel mit bestimmten Merkmalen verwendet werden. - Kolmar, Christine: Sicherheitspolitik und Öffentlichkeit. Eine Inhaltsanalyse am Beispiel der Berichterstattung über die Einführung neuer Mittelstreckenraketen (LRTNF) in Europa. 1983
Untersucht, ob die Berichterstattung der gewählten Medien geeignet ist, kompetente Rüstungskontrolle durch die Öffentlichkeit zu ermöglichen. Auch geschichtlich sehr spannend, methodisch vor allem interessant, weil die Berichte sehr klar in Etappen geordnet sind und so ein Entwicklung der Berichterstattung untersucht werden kann. - Müller, Burkhard / Schwabe, Mathias: Pädagogik mit schwierigen Jugendlichen. Ethnografische Erkundungen zur Einführung in die Hilfen zur Erziehung. 2009
Nicht nur inhaltlich interessant. Sehr transparent und erhellend wird auch der Prozeß ethnografischer Forschung dargestellt und reflektiert. - Pongratz, Lieselotte / Jürgensen, Peter: Kinderdelinquenz und kriminelle Karrieren. Eine statistische Nachuntersuchung delinquenter Kinder im Erwachsenenalter. 1990
Beispiel für den Vergleich von abhängigen Stichproben, außerdem sehr interessante Untersuchung, die sich auch über die Hintergründe krimineller Karrieren und deren Bedingtheit auch durch besondere Strafhärte im Jugendalter Gedanken macht. - Saleth, Stephanie: Jugendkriminalität im Spiegel der Lokalpresse. 2004
Äußerst interessante und methodisch erhellende quantitative und zum guten Teil auch qualitative Inhaltsanalyse von Zeitungsartikeln, die sich mit Jugendkriminalität befassen, die Studie vergleicht die Häufigkeit bestimmter Merkmale und Darstellungsformen von Verbrechen und Tatverdächtigen, die in der Lokalpresse genannt werden mit den entsprechenden Daten in der Statistik der Jugendgerichtshilfe - und das über einen Zeitraum von 25 Jahren!
Populärwissenschaftliche Bücher zum Thema Statistik
Die Klassiker zum Thema Statistik stammen von Prof. Walter Krämer, hier eine Auswahl, die sich (auch chronologisch) immer mehr in Richtung des Themas dieser Seite bewegen. Die Bücher sind allesamt für den Laien geschrieben ohne seicht zu wirken und bei aller wissenschaftlicher Präzision auch sehr unterhaltsam.
- Krämer, Walter: Statistik verstehen - Eine Gebrauchsanweisung. 1992
Einführung in Grundlagen, auch einige Stoplersteine werden aufgezeigt - Krämer, Walter: So überzeugt man mit Statistik. 1994
Welche Diagramme sind wann sinnvoll - trotz des Alters immer noch zeitgemäß, wenn man Daten gekonnt visualisieren will - Krämer, Walter: Denkste. 1998
Irrtümer aus der Welt der Wahrscheinlichkeit, Beispiele: Fehlannahmen bei Glücksspielen und alltäglichen Themen - Krämer, Walter: So lügt man mit Statistik. 2000
Unabsichtlich oder absichtlich mißverständliche Diagramme und Interpretationen von statistischen Daten - ganz nach dem Geschmack von axtimwal.de - Krämer, Walter / Trenkler, Götz: Lexikon der populären Irrtümer. 1998
Äußerst erfolgreiches Buch, das sich zum größten Teil auch wieder mit Fehlschlüssen aus der Welt der Zahlen beschäftigt.
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Nicht minder interessant und unterhaltsam:
- Dubben, Hans-Hermann / Beck-Bornholdt, Hans-Peter: Der Hund, der Eier legt. 1997
Von diesen Autoren stammt ein ähnliches Buch, das auch sehr witzig geschrieben ist und sich vor allem mit medizinischen Studien beschäftigt.
Verwandte Themen
Bücher zu verwandten oder aus sonstigen Gründen in diesem Zusammenhang interessanten Themen.
- Capote, Truman: Kaltblütig. 1966
Erst kürzlich auch in zwei Kinofilmen verarbeitet: Der Schriftsteller Capote recherchiert und beschreibt den Mord an einer Famile in Kansas und tritt dabei in direkten und intensivsten Kontakt mit den Tätern. - Feynman, Richard P.: "Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!". 1991
Das wohl witzigste Buch, das je von einem Physik-Nobelpreisträger geschrieben wurde. Feynman, der unter anderem Teil des Manhattan Project war und die Explosion des Space-Shuttles Challenger untersuchte, erzählt Anekdoten aus Los Alamos, wo er Safes von Generälen knackt und als Einziger ohne Schutzbrille in die Explosion einer der ersten getesteten Atombomben blickt. Außerdem nimmt er noch an Sambawettbewerben in Brasilien teil und gibt Flirttipps für Bars. - Mérö, László: Optimal entschieden? Spieltheorie und Logik unseres Handelns. 1998
Spannendes Buch über die Spieltheorie (bekannt evtl. aus dem Kinofilm "A beautiful mind", der das Leben von John Nash darstellt, der auf diesem Gebiet, vor allem mit Bezug auf die Wirtschaft, tätig war). - Veiel, Andreas: Der Kick. Ein Lehrstück über Gewalt. 2007
Die Tötung von Marinus Schöberl durch seine "Freunde" im brandenburgischen Potzlow, die im Jahr 2002 sehr viel Aufsehen erregt hat, wird hier sowohl als psychologisch tiefgreifende Reportage als auch als Theaterskript aufgearbeitet. Gleichzeitig ein Lehrstück über Kriminalität und Medien, weil es einen äußerst umfassenden Rahmen spannt: Eine Episode der Tötung wurde medial inspiriert durch den Bordsteinkick aus dem Film "American History X", das Buch behandelt die mediale Bearbeitung des Themas und generiert selbst gleich mehrere mediale Stilformen (Dokumentation, wissenschaftliche Untersuchung, Theaterstück, Film zum Thema) und benutzt auch verschiedenste Medien zur Recherche, z.B. Polizeiprotokolle.
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