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Heute haben wir das Thema Chartanalysen und Börsentipps und dazu mal die Rubrik "Kurse&Notizen" aus dem Wirtschaftsteil des Nachrichtenmagazins Focus im Gepäck. Und zwar die aufeinanderfolgenden Wochen 18/2008-22/2008, die ich mir auf Materialsuche zufällig in einem Aufwasch angesehen habe und darauf gestossen bin, dass in allen Ausgaben goldene Gewinne auf den Spekulanten warten. Uns so sieht das dann aus (immer jeweilige Grafik und Überschrift, dazu ist immer ein Text mit ca 100 Worten, der die Kaufempfehlung mit irgendwelchen fantastischen Trends und Innovationen begründet). Uns interessieren aber hier vor allem die Grafiken zu den Beiträgen.

Und das sieht dann so aus:

1. "Zumtobel: in gutem Licht" (18/2008)

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2. "GfK: Fusion stärkt Aktie" (19/2008)
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3. "Symantec: Gewinn-Sicherheit" (20/2008)
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4. "MLP: Positiver Ausblick" (21/2008)
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5. "Centrosolar: Sonnige Zukunft" (22/2008)
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1. Zumtobel wird als Firma angepriesen, die "nur Insidern bekannt ist", da muss man doch einfach zuschlagen, bevor es der Pöbel auf dem Parkett mitkriegt. Die Grafik lässt übles vermuten, das Papier ist ja zum Jahreswechsel furchtbar abgestürzt, aber das wird in der Analyse nicht einmal mit einer Erwähnung gewürdigt, Hauptsache, man weiß, dass man es hier mit einem "noch nicht endeckt[en]" Bringer zu tun hat.

2. Der Analyst argumentiert, dass die Marktforschungsbranche "gerade in Zeiten einer unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung Zuwächse erzielen [könne], da die Wirtschaft deutlich stärker als sonst auf sichere Ergebnisse der Marktforschung angewiesen ist." Das lasse ich einfach mal so stehen. Dass man die Grafik als "Kurs-Tal" kommentiert, spielt mit der Assoziation, dass es rund um's Tal natürlich aufwärts geht.

3. "Vor Ausbruch nach oben" - Hier haben wir eine Softwarefirma, die - oh Wunder, seit 2001 aufstrebt. War da nicht was? New Economy? Börsencrash? Kaum mehr Luft nach unten? Kein Wunder wählt man hier einen weiteren Ausschnitt als bei den anderen Empfehlungen, seit 2005 eiert die Aktie nämlich nur herum. Um zu zeigen, dass da noch was geht, braucht man auf jeden Fall das Hoch Ende 2004, und davor ging es ja auch nur aufwärts.
Im Text wird noch argumentiert, dass aufgrund der "zunehmenden Internet-Kriminalität" im "Web 2.0" die Geschäfte mit Sicherheitssoftware florieren müssten, die Aktie aber bisher darauf nur "schwach reagiert" hat. Derartige Argumente leben von der Illusion, gute Geschäfte und steigende Aktienkurse würden direkt zusammenhängen und die Aktie holt sicher bald auf.

4. Das menschliche Gehirn liebt Symmetrie, eine Kurve in Form einer Skisprungschanze sieht nicht nach herben Verlusten aus, sondern nach Aufschwung. Und auch wenn die wenigsten ihn noch mathematisch nachvollziehen könnten, wird der Energieerhaltungssatz vom Denkapparat automatisch zur Verfügung gestellt, wenn er eine so wundervolle Kurve vor sich hat.

5. Eine Trendlinie eingefügt, die steil nach unten zeigt, ein Kurs, der seine besten Tage hinter sich hat? Egal, "Ausbruch nach oben" ist angesagt. Warum? "Die Aktie brach jetzt aus ihrem zweijährigen Abwärtskanal aus - für Chartdeuter ein Kaufsignal."
Was ist ein Chartdeuter? Nicht mehr als jemand, der wie aus Tiereingeweiden liest und glaubt, er könnte (mathematisch) vorhersagbare Muster in Kursen entdecken. Mit dem Verweis auf solche Experten belegt die Börsenbranche ihre Unglaubwürdigkeit äußerst erfolgreich selbst.
Außerdem: Wie bei Symantec setzt hier der Kurs früher an als 2007. Wenn man 2006 mit der Hand abdeckt, wird auch klar warum. Dann sehen wir nämlich eine Kurve, die nur herumklinkert und auch keine steile Trendlinie erlaubt. Wozu diese Trendlinie eingefügt wurde, ist mir ohnehin ein Rätsel, noch dazu, wo ja ansonsten allerorten von "sonniger Zukunft" die Rede ist. Ohne Witz: Der einleitende Satz des Artikels ist "Verlockend sieht das Kursbild der Photovoltaik-Holding Centrosolar [...] aus".

Dieser Beitrag

Also wer diesen Artikel geschrieben hat sollte lieber etwas vorsichtiger sein was er von sich gibt.

Ich handle nur nach Charts und verdiene damit seit mehreren Jahren meinen Lebensunterhalt (und ich verdiene sehr gut)

Wenn also behauptet wird, dass Chartanalyse so gut wie aus Eingeweiden lesen ist, dann kann ich nur denn Kopf schütteln.

Ich erziele konstante und hohe Gewinne, jedes Jahr, also wird es wohl kein Zufall sein...

Aber ich stimme gerne zu, dass Aktientipps aus dem Focus sehr fragwürdig sind. Und anhand von solchen Liniencharts könnte ich auch keine Aktie analysieren...aber z.B. mit Bar Charts.

Trader
@Vorredner

Sicher funktioniert das - aus folgendem Grund: Wenn mehrere tausend Spekulanten nach den selben Chart-Anlyse-Ansätzen handeln ist es nicht verwunderlich, dass die Aktie sich dann auch genauso verhält..

Wenn ich über die Medien verbreiten lasse, dass morgen jeder, der eine Aktie X, die zur Zeit für 5 Euro gehandelt wird, kauft, von mir 10 Euro bekommt ist es auch relativ sicher, dass diese am Folgetag mindestens 10 Euro Wert ist ;-)

superjany
Chartanalyse

Die Chartanalyse funktioniert vorwiegend dort, wo trendfolgende Marktakteure in größerem Umfang investieren. Dies ist zum Beispiel der Fall bei größeren Indizes und Futures auf Agrarrohstoffe wie Weizen und Mais an der Euronext/Matif in Paris und der CBoT in Chicago.

Die Chartanalyse wird häufig ergänzend zur Fundamentalanalyse als zusätzliche Orientierungshilfe bei Investitionsentscheidungen und Absicherungsgeschäften (Hedging) herangezogen.

Agrarjournalist

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