Zeitung/Nachrichtenmagazin


Ein absoluter Klassiker der mißglückten Interpretation statistischer Daten soll heute Gegenstand der Betrachtung sein. Auch ohne dass mir im Moment ein aktuelles Beispiel dieser Fehlinterpretation vorliegt, plane ich doch schon länger einen Beitrag zu diesem Thema, das so anschaulich einen recht häufigen Denkfehler illustriert.

Hier also ein schon älterer Ausschnitt, der durch sehr kurzes googeln ausfindig gemacht werden konnte:

Auf den heutigen Beitrag wurde ich von einem axtimwal-Leser aufmerksam gemacht. Vielen Dank, unbekannter Spender. Es geht um den Relaunch des Internetauftritts der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (www.haz.de). Die Besucher sind aufgefordert, abzustimmen, wie sie die neue Seite finden. Dies sind die Möglichkeiten:
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(Screenshot von www.haz.de)

Grausig, aus dem Focus 25/08 und noch dazu im Rahmen des Titelthemas dieser Ausgabe "ABI - und jetzt?".

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Aus dem Focus 20/08 ist heute die Focus-Frage zu Gast.

Das Problem hierbei ist die Interpretation am unteren Teil der Statistik, nämlich "Vaters Einfluss wächst". Verglichen wurden dazu die Antworten der 14-34jährigen und der über 54jährigen zur Teilfrage, ob der Vater besonderen Einfluss auf die Entwicklung hatte. Die Antworten wären nur - zumindest einigermaßen - vergleichbar, wenn man die Umfrage z.B. vor dreißig Jahren in einer bestimmten Altersgruppe durchgeführt hätte und auch heute nochmal in der selben Altersgruppe diese Frage stellt - die Gruppen sich also in vergleichbaren Lebenslagen und -phasen befänden. Man macht es sich zu leicht, wenn man denkt, man könnte heute einfach zwei Gruppen bilden, bei der einen eine frische Erinnerung abfragen, bei der anderen aber eine länger zurückliegende Kindheit und diese Daten einfach so vergleichen.

Doch es geht ja nicht nur um die Kindheit und Jugendphase (auch wenn wahrscheinlich ist, dass die meisten Befragten diese Frage wohl so verstanden haben dürften), sondern um den Einfluss insgesamt. Da haben wir dann bei den über 54jährigen den Umstand, dass diese Menschen wirklich aus einem ganzen Leben heraus den Einfluss ihres Vaters (der in vielen Fällen schon verstorben sein dürfte) einschätzen können; und auch kompetenter beurteilen können, weil sie ja schon lange abgenabelt und selbständig gelebt haben.

Die andere Altersgruppe dagegen, und das ist wohl die grösste (Verzerrungen bildende) Schwäche der Gruppenbildung in diesem Beispiel, beinhaltet bereits die ab 14jährigen, eine Gruppe, die also zu einem großen Teil noch zuhause lebt und entsprechend schon allein deshalb den Einfluss beider Elternteile stärker spüren dürfte.

Heute haben wir das Thema Chartanalysen und Börsentipps und dazu mal die Rubrik "Kurse&Notizen" aus dem Wirtschaftsteil des Nachrichtenmagazins Focus im Gepäck. Und zwar die aufeinanderfolgenden Wochen 18/2008-22/2008, die ich mir auf Materialsuche zufällig in einem Aufwasch angesehen habe und darauf gestossen bin, dass in allen Ausgaben goldene Gewinne auf den Spekulanten warten. Uns so sieht das dann aus (immer jeweilige Grafik und Überschrift, dazu ist immer ein Text mit ca 100 Worten, der die Kaufempfehlung mit irgendwelchen fantastischen Trends und Innovationen begründet).

Zu einem Artikel mit der Überschrift "Nichtrauchen ist Tödlich" (Untertitel: "Wegen des Zigarettenverbots droht vielen der seit Jahren um ihre Existenz kämpfenden Spielbanken die Insolvenz") druckt der Focus (Ausgabe 22/2008) diese Grafik zur Entwicklung der Erträge in den deutschen Spielbanken ab:

22-08casino.gif

Sieht das nach einem klaren Trend aus oder ist Vorsicht geboten, die Grafik entsprechend zu interpretieren?

Probleme:

  1. Die Durchschnitte von 6 Jahren sind nicht gerade ausreichend, um einen Trend zu belegen

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Ausschnitt aus: Focus 21/2008

    Ein leider recht verbreiteter Fehler in der Darstellung von Zahlenverhältnissen - vermutlich verbrochen durch einen Grafikdesigner, der es zu gut gemeint hat.

    Axtimwal.de startet mit einem heiklen Thema, der sogenannten Ausländer-Kriminalität. Das Beispiel stammt vom 26.12.2007, nahe am Startpunkt der extrem irrationalen Diskussion über Jugendkriminalität, die im Vorfeld der Landtagswahlen Ende Januar 2008 stattfand und sich vor allem dank Roland Koch sehr schnell zur ausländerfeindlichen Hetze entwickelt hat.


    Axt im Wal.de - Statistik-Blog