Ein beispielhafter Fall von symbolischer Politik scheint heute über die Nachrichtenticker zu wehen: Arbeitsministerin von der Leyen will angeblich Hartz IV abschaffen. Es soll dabei aber nur um die Bezeichnung "Hartz IV" gehen, die ersetzt werden soll, weil sie zu negativ besetzt sei. Bearbeitet werden soll also vor allem der mit schlechtem Image behaftete Begriff, nicht die dahinterliegenden Probleme.

Ja, hier geht bald wieder was. Ich habe meine Magisterarbeit, die mir meine komplette Zeit besetzt hatte, so gut wie abgeschlossen und werde mich dementsprechend bald wieder mehr hier rumtreiben. Ein neues Design würde auch mal Not tun, geplant ist auch, dass sich der Wal thematisch weiterentwickelt und mehr in allgemeineren gesellschaftlichen und politischen Themen wildert.
Gleich mal hochaktuell das Wahlstudio abgemahnt, bevor ich's wieder vergesse. Ich weiß leider nicht mehr ob es die ARD oder das ZDF war (wird nachgeliefer, wenn ich es rausfinde), jedenfalls wurden zwei Umfrageergebnisse gegenübergestellt, die den Unterschied der Zustimmungsquoten der Befragten gegenüber Günther Beckstein und Erwin Huber veranschaulichen sollten.
Folgende Umfragen/Umfrageergebnisse waren im Schaubild zu sehen:
Am 19. Juni 2008 war in der Wochenzeitung „Die Zeit“ ein bemerkenswerter Artikel zu lesen, der auch online verfügbar ist (=> zum Artikel).
„Die Konjunktur der Ängste“ von Ulrich Schnabel stellt dar, wie die Risikowahrnehmung in der Öffentlichkeit, abgeleitet vom Berichtvolumen in den Medien, schwankt, wie Themen kurz enorme Aufmerksamkeit erlangen, um dann wieder aus den Zeitungen und Fernsehberichten zu verschwinden. Man denke nur zum Beispiel an SARS, Vogelgrippe, BSE und Ozonloch. Eine absolute Leseempfehlung.

Quelle: Nachrichtenmagazin Focus 26/08.
Grausig, aus dem Focus 25/08 und noch dazu im Rahmen des Titelthemas dieser Ausgabe "ABI - und jetzt?".

Warum hier so oft Statistiken aus dem Focus auftauchen, hat nicht in erster Linie damit zu tun, dass dieser besonders oft danebengreift, sondern, dass dieses Projekt nebenbei läuft und ich zur Materialsuche nicht viel Zeit habe. Da ist der Griff zu einem Stapel Focus-Magazinen in der Bibliothek immer der schnellste und tatsächlich selten ein vergeblicher Weg.
Die nächsten beiden Beispiele sind übrigens schon in Bearbeitung.

Aus dem Focus 20/08 ist heute die Focus-Frage zu Gast.
Das Problem hierbei ist die Interpretation am unteren Teil der Statistik, nämlich "Vaters Einfluss wächst". Verglichen wurden dazu die Antworten der 14-34jährigen und der über 54jährigen zur Teilfrage, ob der Vater besonderen Einfluss auf die Entwicklung hatte. Die Antworten wären nur - zumindest einigermaßen - vergleichbar, wenn man die Umfrage z.B. vor dreißig Jahren in einer bestimmten Altersgruppe durchgeführt hätte und auch heute nochmal in der selben Altersgruppe diese Frage stellt - die Gruppen sich also in vergleichbaren Lebenslagen und -phasen befänden. Man macht es sich zu leicht, wenn man denkt, man könnte heute einfach zwei Gruppen bilden, bei der einen eine frische Erinnerung abfragen, bei der anderen aber eine länger zurückliegende Kindheit und diese Daten einfach so vergleichen.
Doch es geht ja nicht nur um die Kindheit und Jugendphase (auch wenn wahrscheinlich ist, dass die meisten Befragten diese Frage wohl so verstanden haben dürften), sondern um den Einfluss insgesamt. Da haben wir dann bei den über 54jährigen den Umstand, dass diese Menschen wirklich aus einem ganzen Leben heraus den Einfluss ihres Vaters (der in vielen Fällen schon verstorben sein dürfte) einschätzen können; und auch kompetenter beurteilen können, weil sie ja schon lange abgenabelt und selbständig gelebt haben.
Die andere Altersgruppe dagegen, und das ist wohl die grösste (Verzerrungen bildende) Schwäche der Gruppenbildung in diesem Beispiel, beinhaltet bereits die ab 14jährigen, eine Gruppe, die also zu einem großen Teil noch zuhause lebt und entsprechend schon allein deshalb den Einfluss beider Elternteile stärker spüren dürfte.
Das Buch "Das neue Universum - Forschung, Wissen, Unterhaltung, 77.Band" aus dem Jahr 1960 ist eines jener Bücher aus dieser Zeit, die die Zukunft von Wissenschaft und Technik in den schillerndsten Farben zeichneten, zum Beispiel die Vision, dass wir alle in unseren individuellen Luftkissenfahrzeugen über die großen Ozeane fahren, die natürlich von einem Netz schwimmender Raststätten erschlossen wurden (Zitat: "Im Autobau hat ein Umsturz begonnen. Fachleute sagen seinen Höhepunkt für das Jahr 1970 voraus.
Wie funktioniert eigentlich Google Trends (www.google.de/trends)?
Okay: In den Erklärungen zur Benutzung ist angegeben, dass die Daten "normalized" werden, das heißt Faktoren wie etwa Bevölkerungszahl und ähnliches werden angeblich eliminiert, aber wie genau wird nicht angegeben. Auch hat man anscheinend keinen Zugriff auf die genauen Zahlen, also wie oft denn nun wirklich ein bestimmter Suchbegriff in einem bestimmten Land bzw. einer Stadt abgefragt wurde.
Rund "75 Prozent der 65-jährigen und älteren Menschen, die ihren allgemeinen Lebensunterhalt von Sozialhilfe bestreiten müssen, [...] in den alten Bundesländern [sind] Frauen". So lesen wir bei Ulla Weber: Geschlechterarrangements in der Bundesrepublik (in APuZ 31-32/2000).
Ein schönes Experiment zum Thema Börsengurus, Börsentipps und Chartanalysen (nachzulesen im "Lexikon der populären Irrtümer" von Krämer/Trenkler):
Eine schwedische Zeitung hat fünf Börsenmaklern auf der einen und einem Schimpansen auf der anderen Seite jeweils 10000 Kronen zur Vefügung gestellt, um damit an der Börse zu spekulieren. Der Affe gewann mit seiner Taktik, Dartpfeile auf Kurszettel zu werfen.
Heute haben wir das Thema Chartanalysen und Börsentipps und dazu mal die Rubrik "Kurse&Notizen" aus dem Wirtschaftsteil des Nachrichtenmagazins Focus im Gepäck. Und zwar die aufeinanderfolgenden Wochen 18/2008-22/2008, die ich mir auf Materialsuche zufällig in einem Aufwasch angesehen habe und darauf gestossen bin, dass in allen Ausgaben goldene Gewinne auf den Spekulanten warten. Uns so sieht das dann aus (immer jeweilige Grafik und Überschrift, dazu ist immer ein Text mit ca 100 Worten, der die Kaufempfehlung mit irgendwelchen fantastischen Trends und Innovationen begründet).
Zu einem Artikel mit der Überschrift "Nichtrauchen ist Tödlich" (Untertitel: "Wegen des Zigarettenverbots droht vielen der seit Jahren um ihre Existenz kämpfenden Spielbanken die Insolvenz") druckt der Focus (Ausgabe 22/2008) diese Grafik zur Entwicklung der Erträge in den deutschen Spielbanken ab:

Sieht das nach einem klaren Trend aus oder ist Vorsicht geboten, die Grafik entsprechend zu interpretieren?
Probleme:
- Die Durchschnitte von 6 Jahren sind nicht gerade ausreichend, um einen Trend zu belegen
